So rockt ihr das Home Office mit drei Kindern

Home Office mit Kindern ist eine echte Herausforderung. Mit gleich drei Kindern von zuhause aus arbeiten ist die ultimative Königsdisziplin! Für viele bedeutet die Ausbreitung des Coronavirus, das erste Mal über einen längeren Zeitraum im Home Office zu arbeiten – auch für mich. Die „Coronaferien“ stellen meine Multitasking-Fähigkeiten und meine Geduld jeden Tag auf die Probe: Die Kinder dazu zu bringen, dass sie ihre Aufgaben während des Schulausfalls erledigen, mit allen Mitteln schlechte Stimmung vermeiden und gleichzeitig der eigenen Arbeit gerecht werden. Ich möchte euch an meinem Erfahrungsbericht über Scheitern und Zusammenwachsen teilhaben lassen und zeige euch, wie ihr das Home Office möglichst effizient wuppen könnt, auch wenn die Kids herumspringen.

Seit Mitte März gehen unsere drei Kinder wie Millionen andere weltweit nicht mehr zur Schule. Sie sind 8, 11 und 13 Jahre alt und haben somit natürlich völlig unterschiedliche Wissensniveaus und auch unterschiedliche Anforderungen seitens der Lehrer.

Anfangs dachte ich, das klappt schon! Habe schließlich selbst 13 Jahre die Schulbank gedrückt und all das mal irgendwann gelernt. Ich dachte auch, dass es kein Problem sei, meinem Teilzeitjob weiter nachzugehen – machen wir ja in den Ferien auch oft so, dass ich morgens im Büro bin und die Kinder zu Hause bleiben. Welch ein Glück, dass sie zu dritt sind und nicht allein die Tage verbringen müssen. Anfangs stand auch noch der Plan, dass das Kleinste die Aufgaben, die von der Klassenlehrerin kommen, mit dem Nachbarkind löst, das praktischerweise gegenüber wohnt und in die gleiche Klasse geht und dass die beiden Großen ebenfalls jeder einen Freund treffen können.

Schon am ersten Tag ist da allerdings die Bombe geplatzt, als ich von der Arbeit kam und das gesamte Haus umgepflügt vorfand und den Rest des Tages mit Fluchen und Aufräumen verbrachte. Uns dämmerte, dass das nicht der Sinn der Übung sein kann, dass die Kinder zwar nicht zur Schule gehen, aber dennoch weiter zusammenhocken. Sehr schnell haben wir beschlossen, dass Mama und Papa weiter zur Arbeit gehen werden und die Kinder zu Hause alleine bleiben würden. Nachdem ich aber im Büro nicht konzentriert arbeiten konnte, weil die Kinder immer wieder Anlässe fanden, mich anzurufen, habe ich überlegt, dass ich ein Homeoffice brauche. Gar nicht so einfach zu realisieren, wenn das nicht schon vorher vorgesehen war! Dennoch hab ich Glück und stoße auf großes Verständnis bei meinen phänomenalen Kolleginnen. Der Plan ist, dass ich mit meinem privaten Rechner all die Dinge abarbeite, die nicht zeitlich brennen und mich auf die Kinder konzentrieren kann. Wenn nötig, kann ich mich mit ihnen gemeinsam in die neuen digitalen Systeme eindenken, die Aufgaben downloaden, ausdrucken und sortieren. Meine Arbeit mache ich, wenn ich dafür Luft habe – die Arbeitszeit habe ich halbiert, da mir alles andere utopisch erschien und ich nicht sehenden Auges ins Burnout rennen wollte. Da natürlich auch die Mensa geschlossen ist, muss ich jetzt zusätzlich mittags eine warme Mahlzeit auf den Tisch zaubern und für einen gesunden Snack zwischendurch sorgen… Wahnsinn, wieviel Zeit ich plötzlich in der Küche verbringe!! Die Spülmaschine darf jetzt auf KEINEN Fall den Dienst quittieren!!!

Die erste Woche im Home Office mit drei Kindern

Bis wir soweit waren, dass wir all das Unterrichtsmaterial für alle drei abgeheftet hatten und einen funktionierenden Arbeitsplatz für uns alle gefunden haben (die Kinder haben je einen Tisch neben meinem Schreibtisch und wir haben einen zusätzlichen Rechner angeschafft, damit sie jederzeit darauf zugreifen können), war die erste Woche schon vorbei. Die war erstaunlicherweise gar nicht so schrecklich. Ich bin sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber so flexibel ist und dass meine Kinder sich der Situation so mutig stellen. Ich stelle fest, sie wollen – genau wie wir – nur das Beste. Klar gibt es auch mal Streit und klar bauen sich auch Wut und Aggressionen auf. Das ist ok. Für uns ist es wichtig, über alles zu sprechen und auch den Kindern nichts vorzumachen. Die Situation ist beklemmend und keiner weiß, wie lange das noch so sein wird. Wir müssen da irgendwie gemeinsam durch…

Die zweite Woche: Tagespläne und kreativ werden

In der zweiten Woche kamen dann schon neue Schul-Aufgaben, während die ersten noch nicht erledigt waren – Schreck!! Das große und das kleine Kind haben ganz prima gewissenhaft gelernt, während das mittlere Schwierigkeiten hatte, sich zu konzentrieren, bei der Sache zu bleiben und einfach zu arbeiten. Wir mussten uns etwas einfallen lassen, denn mich überkam die große Sorge, dass es das alles nicht aufholen kann und schon das erste Jahr am Gymnasium erfolglos beendet, obwohl es absolut den Grips dafür hat. Ich habe also einen Tagesplan mit den Kindern zusammen erarbeitet, an den wir uns halten wollen, mit Sport, Pausen und festen Lern- und Arbeitszeiten und natürlich auch Spiel- und Freizeit. Das hat uns geholfen, die zweite Woche strukturierter anzugehen – das mittlere Kind hat immer noch Gründe am laufenden Band gefunden, nicht zu lernen. Es lernt jetzt aber ein bisschen mehr. Wir fuhren mit dem Fahrrad in den Wald, haben auf der Terrasse Eis zur Belohnung für unsere erledigte Arbeit gegessen, haben im Park mit den Nachbarkindern Brennball (ein Spiel, bei dem man sich nicht zu nahe kommt, was wir unbedingt vermeiden wollten) und Speedminton gespielt, haben aus Gipsbinden Gesichtsmasken gemacht, die wir später anmalen werden. Zum Glück gab die Sonne alles, uns den Tag zu erhellen. Wenn wir abends ins Bett fielen, hatte ich das Gefühl, dass wir das ganz gut meistern und war stolz auf uns alle – wir schaffen das!

Da unsere Familien jeweils weit weg sind, beschlich uns dann die Sorge um unsere Eltern, die absolut in die Risikogruppe fallen und bei dem täglichen Telefonat immer niedergeschlagener klangen. Wir haben also gemeinsam Päckchen für sie vorbereitet mit selbstgebackenen Osterhasenkeksen, selbstgenähtem Mundschutz, damit sie wenigstens spazieren gehen können und je einem dicken Schokohasen sowie lieben Worten und Bildern von uns allen. Wir hatten einen diebischen Spaß daran, diese Päckchen zu planen und ihnen eine Freude zu bereiten –  gerade in so schwierigen Zeiten, wie wir sie alle noch nie erlebt haben. Ab zur Post damit und auf die überraschten Reaktionen warten!

Die dritte Woche:

Jetzt läuft die dritte Woche – ich muss sagen, ich bin so froh, dass ab diesem Wochenende Ferien sind!!! Wir haben sowas wie einen Rhythmus gefunden und ich kann tatsächlich manchmal mehr als zwei Stunden konzentriert arbeiten. Sogar mein Mann, der bislang immer noch eisern ins Büro geradelt ist (nicht zuletzt, weil er einer systemrelevanten Tätigkeit nachgeht), installiert jetzt sein Homeoffice hier – wobei ich denke, dass wir dafür nicht ruhig genug sein dürften und er wahrscheinlich spätestens nächste Woche wieder ins Büro radelt… Nachmittags kann ich mich jetzt super auf alles einlassen, was den Kindern einfällt. Ohne gleich hochrot anzulaufen, weil mein Kopf all die Informationen, die auf ihn einprasseln, nicht verarbeiten kann und ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich mein Arbeitspensum nicht geschafft habe.

Es scheint eine Frage der inneren Einstellung zu sein. Ich glaube, uns kann auch eine Verlängerung der Schulschließungen nach den Osterferien nicht mehr aus den Schuhen hauen. Dank vertrauensvoller, wohlwollender Kommunikation mit einigen Lehrern unserer Kinder, toller Freunde, mit denen wir natürlich in Kontakt bleiben, liebe- und verständnisvollem Umgang innerhalb der Familie, viel Kreativität und Sonnenschein, werden wir diese Krise überstehen – solange uns und unsere Liebsten der Virus nicht ereilt… Bleibt zu Hause und bleibt gesund!!

5 Comments

    1. Daniela

      Ohne Kinder wäre es wahrscheinlich weniger anstrengend, aber irgendwie auch einsamer und langweiliger und wir hätten weniger Anlässe zu lachen.

  1. Ira Moritz

    Liebe Daniela,
    ich bin froh, dass Du welche hast, leider an mir vorbei gegangen…. Manchmal erdet das aber extrem und besser organisieren können sich berufstätige Eltern sowieso – da können wir anderen noch jede Menge lernen! Liebe Grüße aus Frankfurt bleibt alle gesund Ira.

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